Die Situation für Landwirte hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer stärker verändert. Die Märkte sind volatiler mit größeren und kurzfristigen Preisschwankungen. Durch die Entwicklung neuer Geschäftsbereiche werden nicht nur die Zahlungsströme komplexer, sondern auch die rechtlichen Anforderungen und Vorgaben.  Beispielsweise, der Betrieb einer Biogasanlage oder anderer Anlagen im Bereich der erneuerbaren Energien fallen nicht mehr unter die Landwirtschaft, sondern gelten als gewerblicher Betrieb. Auch aus anderen steuer- oder haftungsrechtlichen Gründen kann ein Betrieb in mehrere rechtlich abgegrenzten Betriebe unterteilt sein, für die jeweils eine eigene Buchführung notwendig ist.

Das Stichwort ist dabei Konsolidierung, bei der die Ergebnisse der einzelnen Betriebsbereiche so aufbereitet werden, dass Aussagen zum Gesamtbetrieb gemacht werden können. Dabei werden interne Aktivitäten zwischen den einzelnen Unternehmen rausgerechnet und nur noch die Außenbeziehungen dargestellt. Dies geschieht bei der Bank, die dadurch ein Rating für den Betrieb erstellt. Für aussagekräftige Analysen ist das nicht ausreichend, sondern es sollte ein konsolidierter Jahresabschluss angestrebt werden. Nach einem Antrag beim Finanzamt können die Bilanzstichtage der gewerblichen Unternehmen an die der landwirtschaftlichen angepasst werden und ein gemeinsamer Jahresabschluss erfolgen.

Um diesen Anforderungen und Veränderungen gerecht zu werden, muss die traditionelle Buchhaltungsweise geändert werden. Es empfiehlt sich eine Offen-Posten-Buchhaltung kurzOP-Buchhaltung, wie sie schon im gewerblichen Bereich Standard ist. Auch für Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 500.000 € ist dies eine Vorgabe, um die abzuführende Umsatzsteuer richtig ermitteln zu können. Bei der OP-Buchführung wird jede Ausgangs- und Eingangsrechnung auf ein eigenes Debitoren- bzw. Kreditoren-Konto gebucht. Debitoren sind dabei Unternehmen oder Personen, die dem Betrieb Geld schulden, Kreditoren sind zum Beispiel Lieferanten, die Geld erhalten. Die Umstellung ist nur mit wenig Mehraufwand verbunden, bringt aber erhebliche Vorteile mit sich.

So ermöglicht diese Form der Buchhaltung im Gegensatz zu den üblicherweise verwendeten Geldrückberichten, Aussagen zur Ertrags- oder Finanzlage des Betriebes. Das Zuordnen eines Kontos für jeden Kunden bzw. Lieferanten ermöglicht auch die Feststellung, wie lange Rechnungen offenbleiben. Der größte Vorteil ergibt sich aus der Möglichkeit eine betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) zu machen. Die Erträge und Aufwendungen können monatsweise dargestellt werden und ermöglichen so eine laufende Überwachung der Situation des Betriebes, auch im Vergleich zu den Vorjahren. Von besonderem Interesse kann die Einzelbetrachtung verschiedener Betriebszweige sein, um Potentiale und Risiken aufzudecken. So wird das Rechnungswesen zum Teil des Risikomanagements. Die Liquiditätsplanung für die nahe Zukunft macht potenzielle Unterdeckungen sichtbar und ermöglicht sofortige Maßnahmen beispielsweise das Verschieben von Ausgaben oder das Aufnehmen zusätzlicher Kredite. Zur Ermittlung der genauen Liquidität ist eine Kapitalflussrechnung notwendig.

Durch dieses Vorgehen wird aus der vergangenheitsorientierten Buchhaltung ein zukunftsorientiertes Controlling-Werkzeug. Die im Controlling festgelegten Ziele können mit Hilfe der OP-Buchführung jederzeit überprüft werden. Moderne Software ermöglicht dabei eine unterjährige Auswertung, die auch für Kreditanfragen bei Banken notwendig sein kann.

Die Kommunikation und Datenübermittlung mit und an den Steuerberater wird ebenfalls erleichtert. Es besteht die Möglichkeit vollständig auf digitale Belege umzustellen, die so jederzeit Betriebsleiter, Buchhaltung und Steuerberater zur Verfügung stehen. So können Suchanfragen einfacher bearbeitet und das Aufbewahren von Papierbelegen überflüssig werden. Der größte Vorteil besteht dabei eindeutig in einem erheblichen Zeitgewinn bei der Büroarbeit, was Landwirten mehr Zeit auf dem Hof verschafft.

Soweit die Grundzüge aus der landwirtschaftlichen Buchführung. In kürze wird eine Fortsetzung und Vertiefung des Kapitels Steuern folgen.

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