„Work Smart not hard“ heißt es immer mehr. Nicht nur unser Zuhause wird immer „smarter“, sondern auch in der Landwirtschaft hält die Digitalisierung sowie die Automatisierung immer mehr Einzug.

Smart Farming, was sind die Chancen und was die Risiken? Wie kann Smart Farming dem Landwirt von heute helfen, in Zukunft nachhaltiger und effizienter zu arbeiten? Über Möglichkeiten und andere Faktoren für den landwirtschaftlichen Betrieb geht es in folgendem Text.

Wenn man von der Digitalisierung in der Landwirtschaft, der dritten grünen Revolution, spricht oder auch von der Landwirtschaft 4.0, unterscheidet man zwischen Precision Farming und Smart Farming. Beim Precision Farming geht es darum, den Landwirt durch digitale Aufbereitung von Daten bei Entscheidungen zu unterstützen, beispielsweise durch eine Wetter- App.

Beim Smart Farming hingegen geht es darum, dass Maschinen und Systeme eigenständig Entscheidungen treffen. Bereits bekannte Beispiele rund um das Thema Smart Farming sind autonome Bearbeitungs- und Erntemaschinen. Diese werden von Landwirten eingestellt und überwacht, die Arbeit an sich übernimmt jedoch die Maschine. Ein weiteres Beispiel ist die Schädlingsanalyse mittels Drohnen; weitere Beispiele folgen.

Eine Umfrage der PWC (PricewaterhouseCoopers GmbH) zeigt, dass bereits mehr als die Hälfte der Landwirte in neue Technologien investiert hat und weitere Investitionen plant. Weitere 15% planen Investitionen in den kommenden ein bis drei Jahren. Lediglich 29% gaben an, keine Investition in neue Technologien tätigen zu wollen.

Hierbei ist die Information nützlich, dass es sich bei den nicht investierenden Unternehmen größtenteils um kleinere Betriebe handelt, wo die Investition ökonomisch fraglich ist.

Welche Möglichkeiten ergeben sich durch smarte Lösungen in der Landwirtschaft?

Zum einen steht vor allem die Optimierung des Prozesses sowie die Senkung der Kosten im Vordergrund. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass neue Technologien diese wichtigen Faktoren erfüllen können. Eine Umfrage der PWC zeigte, dass fast die Hälfte der befragten Landwirte eine Steigerung der Prozesseffizienz von 11% und eine gleichzeitige Kostensenkung um 7% feststellen konnten.

Zusätzlich bietet Smart Farming die Möglichkeiten, die immer strenger werdenden landwirtschaftlichen Auflagen einzuhalten. Beispielsweise im Düngemittelbereich mit gezielter und automatisierter Bodenanalyse, den Auflagen nachzukommen. Die Maschinen erkennen, wo bereits viele Nährstoffe im Boden sind, an diesen Stellen muss entsprechend wenig bis gar nicht gedüngt werden. Des Weiteren ist es durch Smart Farming möglich, durch Analyse der Bedingungen, die Wassernutzung zu optimieren.

Endverbraucher werden umweltbewusster, was in den Produkten, die sie konsumieren, bemerkbar wird und ressourcenschonende Methoden in der Landwirtschaft an Bedeutung zunehmen. Der Trend der Verbraucher zur wasserschonender Produktion von Gemüse nimmt zu. Viele Menschen sind daher bereit mehr Geld auszugeben, wenn Produkte entsprechende Siegel tragen oder für ihre ressourcenschonende Herstellung bekannt sind. In den USA nutzen bereits 20-80% der Landwirte Smart Farming Technologie, während es in Deutschland lediglich 0-24% sind.

Ein weiterer Aspekt des Smart Farming, sind die Einsatzmöglichkeiten in der Tierhaltung zur Überwachung der Tiere und Ställe. So kann beispielsweise ein Sensor am Schwanz einer trächtigen Kuh befestigt und die Bewegungen des Tieres erkannt werden, bei einsetzenden Wehen wird der Landwirt per elektronischer Nachricht informiert. Dies ermöglicht ein rechtzeitiges Eintreffen und den reibungslosen Ablauf der Geburt.

Tiere können insgesamt überwacht werden, beispielsweise durch Sensoren, die ihre Körpertemperatur sowie ihr Bewegungsmuster, Ess- und Trinkverhalten aufzeichnen. Der Landwirt kann bei unnormalem Verhalten sofort einschreiten, da er von dem Sensor eine Nachricht erhält. Somit kann das möglicherweise erkrankte Tier von den anderen separiert und eine Ansteckung vermieden werden.

In der Pferdehaltung kann eine solche Technologie genutzt werden, um zusätzlich den Fitnesszustand des Tieres zu überwachen. Die Analyse des Gesundheitszustands, sowie seines Bewegungsverhaltens könnten dafür sorgen, dass das Tier automatisch eine individuell angepasste Futtermischung und Menge erhält, was beispielsweise zu einer Steigerung der Milchproduktion führt.

Durch Smart Farming können auch die Bedingungen der Tiere im Stall optimiert werden, beispielsweise durch Sensoren im Stall, die die Temperatur, Luftfeuchtigkeit sowie den Ammoniakgehalt im Stall messen. Der Landwirt kann sämtliche Daten über sein Smartphone einsehen und wird bei auffälligen Werten per Push-Nachricht informiert.

Smart-Framing birgt Nachteile. Ein Aspekt sind die Kosten und großen Umstände hin zur Umstellung eines konventionellen Betriebs. Häufig fehlen die Schnittstellen zwischen neuen Geräten und bereits auf dem Hof verwendeten Geräten, was die Arbeit der Landwirte erschwert. Entwickler von Smart-Geräten setzen sich bereits in frühen Phasen der Entwicklung mit Landwirten zusammen, um Schnittstellen zu schaffen. Wichtig sind auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Nutzer einzugehen. Ein kleiner Betrieb stellt nicht dieselben Anforderungen dar wie ein sehr großer Betrieb. Es stehen die einfache Bedienbarkeit sowie das exakte Ausführen der wenigen Aktionen bei kleinen Betrieben im Vordergrund. Deshalb ist es wichtig den Fokus der Technik auf die richtigen Stellen zu legen.

Smart Farming bietet dem Landwirt von morgen viele Möglichkeiten seinen Betrieb und Tierhaltung zu optimieren, der Umgang mit Zahlen und Technologie muss gelernt und stetig verbessert werden. Die Landwirtschaft 4.0 hat seinen Preis, weist aber gleichzeitig in der Anwendung eine hohe Benutzerfreundlichkeit auf.

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