Unser 2. Teil zur Serie Buchführung.

Die Unternehmensstruktur in der Landwirtschaft ist in den vergangenen Jahrzehnten immer komplexer geworden. Oft handelt es sich nicht mehr um einen einzelnen Betrieb, sondern um einen Verbund von aus steuer- oder haftungsrechtlichen Gründen abgegrenzten Unternehmen. Beispielsweise, der Betrieb einer Biogasanlage oder anderer Anlagen im Bereich der erneuerbaren Energien fallen nicht mehr unter die Landwirtschaft, sondern gelten als gewerblicher Betrieb. Einzelnen Familienmitgliedern können unterschiedliche Unternehmen zugeordnet sein, die zusammen eine Wertschöpfungskette bilden. Zwischen den einzelnen Unternehmen besteht eine komplexe Verflechtung von Zahlungsströmen, die in den einzelnen Buchführungen und Jahresabschlüssen ausgewiesen sind. Auf Grundlage nur dieser Daten ist es schwer, die wirtschaftliche Situation des Gesamtunternehmens zu beurteilen. Ab drei bis fünf einzelnen Betrieben in einem Verbund sollte daher ein konsolidierter Jahresabschluss angefertigt werden, bei dem die internen Beziehungen des Verbundes nicht dargestellt werden und der Verbund als ein einzelner Betrieb verstanden wird. Dieser Jahresabschluss ist nicht nur für die Bank in Bezug auf die Kreditwürdigkeit relevant, sondern enthält für den oder die Unternehmensleiter essenzielle Informationen.

Der Inhalt eines konsolidierten Jahresabschlusses ist angelehnt an den BMELV-Jahresabschluss und umfasst die Bilanz, GuV, Anlagenverzeichnis, Anhang, Forderungs- und Verbindlichkeitenspiegel, Kreditspiegel, sowie Naturalbericht und -kennzahlen. Sinnvollerweise kann eine Kapitalflussrechnung, Eigenkapitalspiegel und die Aufgliederung und Beschreibung der wichtigsten Vermögensgegenstände ergänzt werden. Privatvermögen wird nicht mit konsolidiert, es empfiehlt sich aber eine eigenständige, regelmäßige Überprüfung durchzuführen. Ziel ist es, die Situation des Unternehmensverbundes und der einzelnen Betriebszweige vergleichend anschaulich darzustellen und nicht mehr auf die Einzelabschlüsse angewiesen zu sein. Diese sind trotzdem aus steuerrechtlichen Gründen zu erstellen, da ein konsolidierter Jahresabschluss nicht als Grundlage für Steuerzahlungen oder Gewinnausschüttungen an Gesellschafter dienen kann.

Zunächst muss bestimmt werden, auf wen konsolidiert werden soll, in der gewerblichen Wirtschaft ist dies das Mutterunternehmen als beherrschender Einfluss auf die anderen Unternehmen. In der Landwirtschaft kann dies auch ein einzelner Unternehmer sein oder eine Familie/ein Familienkreis, wenn die Unternehmen auf verschiedene Familienmitglieder aufgeteilt sind. Bei Gemeinschaftsunternehmen ist dies schwieriger festzulegen und hängt von der weiteren Verwendung des konsolidierten Abschlusses ab. Verbreitet sind auch Holding-Strukturen bei denen verschiedene Gesellschafter an einer GmbH beteiligt sind und verschiedene Tochterunternehmen besitzen. Dabei ist auf die GmbH als Muttergesellschaft zu konsolidieren. Im Konsolidierungskreis sind alle Unternehmen, an denen Beteiligungen bestehen miteinzubeziehen. Unterschiedliche Rechtsformen oder Besteuerungssysteme verursachen keinerlei Probleme, allerdings sollten die Buchführungssysteme und Kontenrahmen angeglichen werden, um den Zeitaufwand zu minimieren. Dabei können die landwirtschaftlichen Kontenrahmen auch für gewerbliche Betriebe genutzt werden.

Folgende Punkte sollten für eine erfolgreiche Konsolidierung mit dem Steuerberater, der Bank, sowie dem betriebswirtschaftlichen Berater abgestimmt werden:

  • Gewinnermittlungsart: Eine einheitliche Bewertung der Vermögensgegenstände ist unerlässlich. Grundlage sollte der handelsrechtliche und nicht der steuerliche Jahresabschluss der Einzelunternehmen sein, auch eine Gewinnermittlung nach §13a EstG ist nicht geeignet.
  • Einheitliche Bewertungsvorschrift: Feldinventar sollte aktiviert werden, um Einblicke in die Vermögens- und Finanzlage zu ermöglichen
  • Bilanzstichtage: Diese sollten mit Zustimmung des Finanzamtes auf den 30.06 gelegt werden, wie es Bedingung in der Forst- und Landwirtschaft ist.
  • Umsatzsteuersystem: Einzelne Betriebe werden im Bezug auf die Umsatzsteuer pauschalisiert. Sinnvoll ist es allerdings, die erzielten Umsätze netto und die Umsatzsteuer als Ertrag (bzw. die Vorsteuer als Aufwand) zu verbuchen, um einen Pauschalisierungsvorteil oder -nachteil sichtbar zu machen. Da sich Umsatzangaben und abgeleitete Kennzahlen auf Netto-Beträge beziehen, können die Angaben so intern und extern vergleichbar werden.

Aufwendungen und Erträge innerhalb des Unternehmensverbundes sollten während der laufenden Buchführung auf gesonderte Konten gebucht werden, um das Streichen im Zuge der Konsolidierung zu erleichtern.

Der Grad der Beteiligung an einem Unternehmen entscheidet über die Methode der Konsolidierung. Bei einer Vollkonsolidierung auf das Mutterunternehmen werden Kapital, Schulden, Aufwand und Ertrag der Tochterunternehmen verrechnet. Bei Beteiligung Externen an den Tochterunternehmen werden die auf diese entfallenden Eigenkapitalanteile besonders ausgewiesen. Besitzt das Mutterunternehmen nur Anteile am Tochterunternehmen kann eine Quotenkonsolidierung durchgeführt werden, bei der Vermögensgegenstände, Kapital, Schulden usw. nur entsprechend der Beteiligungsquote betrachtet werden. Hat das Mutterunternehmen keinen beherrschenden Einfluss auf bestimmte Gemeinschafts- oder Tochterunternehmen sollte eine Equity-Konsolidierung angewendet werden. Dabei wird der Buchwert der Beteiligung unter Berücksichtigung der anteiligen Ergebnisse und Gewinnausschüttungen aufgezeigt. Handelt es sich um eine Minderheitsbeteiligung werden einzig die Anschaffungskosten ausgewiesen, da sie eine untergeordnete Rolle spielen.

In einem nächsten Schritt können mit entsprechender Softwareunterstützung auch unterjährige Kennzahlen konsolidiert werden und als Grundlage für das Controlling des Gesamtunternehmens dienen. So lassen sich Abweichungen vom Plan frühzeitig erkennen und unternehmensübergreifende Maßnahmen können sofort ergriffen werden.

Der konsolidierte Jahresabschluss macht die wirtschaftliche Situation des Gesamtunternehmens sichtbar und liefert wichtige Einblicke und Information für den oder die Unternehmensleiter. Alle wichtigen Kennzahlen finden sich unter einem Dach.

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