Schweine, die auf einer grünen Wiese stehen, sich voller Begeisterung in Suhlen wälzen und quietschvergnügt über die Weide galoppieren. Fleisch von glücklichen Schweinen. Ein Bild, das oft in der Werbung verwendet wird, um der Erwartungshaltung von Konsumenten an das Tierwohl gerecht zu werden. In der Realität sieht man Schweine in Freilandhaltung allerdings selten. Dennoch haben sich einige wenige Betriebe darauf spezialisiert maximale Qualität mit maximalem Tierwohl zu kombinieren und haben sich für diese Haltungsform entschieden. Besonders dafür geeignet sind die Duroc-Schweine. Was sie besonders macht und welche Vorteile diese Schweinerasse mit sich bringt erfahren Sie in folgendem Text.

Herkunft und Merkmale

Das Duroc Schwein ist eine alte amerikanische Rasse, die im 19. Jahrhundert im Nordosten der USA gezüchtet wurden. Der Name „Duroc“ geht angeblich auf einen schwarzen Araberhengst zurück, der im 19. Jahrhundert ein berühmtes Rennpferd war. Vergleichbare Eigenschaften zu einem Rennpferd weisen die Schweine eher weniger auf, denn sie sind unter anderem für ihre stressresistente, gutmütige und ruhige Art bekannt. Duroc-Schweine unterscheiden sich mit ihrem farbigen Fell, welches ein Farbspektrum von goldbraun über rot bis hin zu mahagonibraun aufweist, sowie den Schlappohren von ihren Artgenossen. Im Winter entwickeln die Schweine ein überaus dichtes Winterfell, dabei sehen sie optisch ihren nahen Verwandten, den Wildschweinen, sehr ähnlich. Im Sommer hat das Schwein fast kein Fell mehr ist aber dank seiner dunklen Haut bestens vor Sonnenbrand geschützt. Diese Eigenschaften bieten bereits beste Voraussetzungen die Duroc-Schweine im Freien zu halten. Weder Kälte noch Hitze mach den Schweinen etwas aus. Duroc-Eber erreichen eine Größe von 90 cm und werden bis zu 350kg schwer. Die Sauen sind mit 80-85 cm und 300kg etwas kleiner und leichter. Weitere Vorteile der Duroc-Sauen sind, dass sie viel Mich geben und beste Muttereigenschaften besitzen.

Hohe Fleischqualität

Das Fleisch der Duroc Schweine überzeugt mit seiner besonders hohen Qualität und überaus gutem Geschmack. Das Fleisch weist durch das intramuskuläre Fett eine schöne Marmorierung auf. Diese feine Marmorierung entsteht durch die längere Mastdauer. Duroc Schweine werden erst mit einem Alter von ca. einem Jahr geschlachtet, die konventionelle Schweinemast dauert meistens nur 125 – 130 Tage. Durch die verlängerte Mast kann auch das Schlachtgewicht bis auf 160kg ansteigen. Aufgrund der hohen Fleischqualität lassen sich über die Direktvermarktung pro Kilogramm Preise zwischen 25-30€ erzielen. Fleischliebhaber und nachhaltige Fleischkonsumenten sind vom Duroc-Fleisch sehr begeistert.

Freilandhaltung Schwein – Abhängigkeiten

Die dauerhafte Freilandhaltung von Schweinen ist aktuell nicht weit verbreitet. Die meisten Halter findet man im Norden Deutschlands. Aufgrund der guten Vermarktungschancen von Bioprodukten wirtschaften die meisten Betriebe nach den Vorgaben der EG-Öko-Verordnung. Die Wirtschaftlichkeit wird wie in der Stallhaltung auch hauptsächlich durch die Futterkosten beeinflusst.  Allerdings ist die Freilandhaltung mit einem höheren Arbeitsaufwand als in der Stallhaltung verbunden. Die Witterung hat einen großen Einfluss auf die Arbeiten im Freien, diese sind somit schwieriger planbar. Der Schweinehalter muss also bei Wind und Wetter seine Tiere im Freien versorgen. Ein weiteres großes Risiko besteht beim Ausbrechen einer Seuche. Laut Schweinehaltungshygieneverordnung (SchHaltHygV) müssen dann die im Freien lebenden Schweinen in ein geeignetes Gebäude untergebracht werden. Meistens ist das Vorhalten einer solchen Stallkapazität nicht rentabel, im Extremfall müssen dann alle Schweine notgeschlachtet werden.

Die Freilandhaltung sollte am besten als Fruchtfolgeglied in die Ackerbewirtschaftung integriert werden. Es wird eine mindestens dreijährige wechselnde Bewirtschaftung empfohlen. Also eine einjährige Nutzung durch die Schweine und anschließend eine zweijährige andere ackerbauliche Nutzung. Eine Haltung auf Grünland wird nicht empfohlen, durch das Wühlen und Graben der Schweine wird dieses umgebrochen, was zu Problemen mit dem Landwirtschaftsamt und anderen Behörden führen kann. Denn Grünland muss erhalten bleiben.

Da in der Freilandhaltung die Tiere Kot und Harn direkt auf dem Boden absetzen, ist keine gezielte Dungausbringung möglich. Deshalb können Grundwasserbelastung und Nährstoffanreicherung im Boden nur durch die Begrenzung der Besatzdichte sowie durch regelmäßigen Flächenwechsel vermieden werden. Die EG-Öko-Verordnung begrenzt den Tierbesatz im Verhältnis zur Fläche. Somit dürfen 6,5 Sauen (inkl. Saugferkel) oder 74 Absatzferkel oder 14 Mastschweine pro Hektar gehalten werden.

Um das Risiko einer Übertragung von Krankheiten durch Wildtiere zu minimieren, müssen die Flächen für die Freilandhaltung mit einem doppelten Zaun versehen sein. Zwischen beiden Zäunen muss dabei ein Abstand von 3-5m eingehalten werden. Meistens wird dieser Durchgang als Bewirtschaftungsweg genutzt. Für die Höhe des äußeren Zauns gibt es je nach Bundesland verschiedene Angaben. Die Höhen variieren zwischen 150cm und 200cm. An der Außenseite sollten stromführende Drähte oder Litzen gespannt werden damit andere Wildtiere zuverlässig vom Gehege ferngehalten werden können. Der innere Zaun wird mit zwei Elektrodrähten oder Bänder in 15-30cm und 40-60cm Höhe errichtet.

Das Gehege muss mit ausreichend Hütten, Futtermöglichkeiten, Tränken und Komforteinrichtungen wie Suhlen, Schattendächer und Scheuermöglichkeiten ausgestattet werden. Bei der Futterlagerung muss darauf geachtet werden, dass diese in geschlossenen Räumen oder Behältern erfolgt. Es darf kein Futter offen auf der Fläche liegen. Dies lockt weitere Wildtiere wie Ratten oder Dachse an die Krankheiten übertragen oder sogar lebende Ferkel fressen.

Vermarktung

Das Fleisch der Duroc-Schweine ist besonders bei Fleischliebhabern beliebt. Das feine, zarte Fleisch überzeugt mit seinem geringen Garverlust sowie mit seinem unvergleichlichen aromatischen Geschmack. Früher war das Fleisch ausschließlich der Spitzengastronomie vorenthalten, bis es sich heute den Weg auf die Teller jeden Haushaltes gebahnt hat. Die Kombination von Spitzenqualität und nachhaltiger, artgerechter Tierhaltung ermöglicht ein vielversprechendes Vermarktungspotenzial. Gerade in der heutigen Zeit steigt das Nachhaltigkeitsbewusstsein der Kunden deutlich an. Vor allem die Schweinehaltung gerät immer öfter in die Kritik. Grausame Bilder von überfüllten Ställen und schlechten Bedingungen beim Transport der Tiere werden in den Medien häufig publiziert. Solche Bilder bleiben im Gedächtnis. Genau aus diesem Grund stehen die Chancen gut das Fleisch von glücklichen Schweinen zu vermarkten.  Das Kaufverhalten hat sich verändert. Fleisch wird oft nicht mehr im Discounter gekauft, sondern öfter auf Wochenmärkten und in regionalen Hofläden eingekauft. Dies zeigt auch, dass Kunden bereit sind, einen höheren Preis für Produkte, die artgerecht und nachhaltig produziert werden zu bezahlen. Momentan bewegen sich die Preise für Duroc-Fleisch, je nach Teilstück, zwischen 20€-30€ pro Kilogramm.

Duroc-Fleisch

Kreuzung

Duroc Schweine werden aktuell bei einigen Kreuzungen eingesetzt. Vor allem die Stressresistenz soll dadurch verbessert werden. Einige Landwirte stehen den Kreuzungen noch kritisch gegenüber. Die Stresstoleranz wird gesteigert, allerdings bringt die Duroc Rasse 1-2% weniger Fleischanteil mit. Zwar steigt die Qualität des Fleisches, doch wird nach dem momentanen Handelsklassenschema ausschließlich der Muskelfleischanteil berücksichtigt. Somit würde ein Duroc-Schwein oder eine Kreuzung daraus einen geringeren Fleischanteil aufweisen und so in einer schlechteren Handelsklasse eingestuft werden. Dies wiederum führt zu einem geringeren Preis, der für das Schweinefleisch bezahlt wird. In der Direktvermarktung sieht die Preispolitik ganz anders aus. Dabei können Merkmale wie die Qualität des Fleisches, der geringere Tropfsaftverlust und auch die artgerechte Haltung sich im Preis widerspiegeln.

Fazit

Die Haltung von Duroc Schweinen bietet einige Möglichkeiten durch die sich verändernde Nachfrage der Kunden. Das steigende Nachhaltigkeits- und Qualitätsbewusstsein der Konsumenten bietet gute Möglichkeiten Duroc-Fleisch zu vermarkten. Vor allem die Direktvermarktung bietet großes Potenzial. Bei der Vermarktung an Schlachthöfe oder andere Metzgereien, die nach dem gemeinschaftlichen Handelsklassenschema bezahlen sind der Aufwand und die Kosten im Vergleich zum Erlös nicht rentabel. Hier könnte man in Zukunft über andere Klassifizierungsmerkmale nachdenken. Dennoch ist abschließend zu sagen, die Nachfrage nach nachhaltig und artgerecht produziertem Fleisch von glücklichen Schweinen steigt. Das Fleisch der Rasse Duroc bietet einige gute Voraussetzungen dieser Nachfrage gerecht zu werden und könnte sich in Zukunft durch eine gute Vermarktungsstrategie weiter etablieren.

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